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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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geheuchelt, als wirklich vorhanden ist; hier vertritt nur zu oftdas schuldbewußte Gewissen die Stelle der Schamhaftigkeit, unddas Gemüth der Söhne und Töchter buhlt im Stillen mit Lastern,die ste noch lange nicht Frechheit genug haben, öffentlich zurSchau zu tragen. Das Verbotene kann nur den Reiz für steerhöhen, das Geheimnißvolle macht ihnen ihr stilles Verbrechennur theurer. Ein ekelhafter Wurm schwelgt, unsichtbar demAuge der Aeltern und Erzieher, in der Blüthenknospe des hoff-nungsvollsten Kindes, und entblättert eine junge Rose, ehe siesich aufschloß.

Wahre Schamhaftigkeit oft hat aber das schuldbefleckteGewissen mit ihr im Aeußerlichen die gleiche Wirkung! wahreSchamhaftigkeit wohnt nicht bloß im niedergesenkten Blick desAuges, im Erröthen der Wangen, sondern in den innerstenkeuschen Empfindungen des Gemüths. Es ist nicht genug, daßdu die Unschuld nicht verführst, den Verführer fliehst dichbannet nur die Furcht vor den bösen Folgen in die Schrankenäußerer Ehrbarkeit und Zucht zurück! tugendhaft warst dunicht. Auch der Gedanke, auch der flüchtige Wunsch nach demVerbrechen muß schon deine reine Seele empören. Du bist schonDeiner reinen Unschuld vor Gott verlustig; du hast das Ver-brechen schon vollzogen, wenn es auch nur in deinen unreinenEinbildungen geschah.Ich -aber sage euch," sprach JesnSChristus, wer ein Weib ansiehet, ihr zu begehren, der hat schonmit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen." (Matth. 5, 28.)

So erklärt uns Jesus die ächte Schamhaftigkeit des Christen;ste gründet sich nicht in der Züchtigkeit des Betragens allein,sondern vor allen Dingen in der Keuschheit drr Gesinnungen.Ohne diese rühme sich Keiner, die erste Unschuld unbefleckt inseiner Brust zu tragen. Er zittert nicht mehr vor Gott demAllwissenden, nur noch vor dem Spruch der Menschen! Unddarf er, durch Verhältnisse begünstigt, auch vor diesem nichtbeben"; fordern ihn verruchte Leichtsinnige, denen thierischesSein höher dünkt, als die Würde des unsterblichen Geistes,zur Vollziehung der Schandthat auf: dann ist der Ver-brecher auch zur That reif.