Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

350

auch unzweckmäßig oder geschmacklos und entstellend; aber nieheiligt sie im Auge des Vernünftigen, des Christen, was einMord der Sittsamkeit oder der Gesundheit ist. Und doch ver-blendet sie nicht selten Frauen und Töchter bis zur Wahl soungeziemender Trachten, daß solche, wenn sie auch nur ähnlichan Männern gefunden würden, ohne Zweifel den lautestenUnwillen gegen die Schamlosigkeit derselben erregen könnten.

Nicht nur aber der Modeton in den Bekleidungen, sondernauch in Unterhaltungen und Scherzen verletzt nur allzuoft dieGesetze der Sittsamkeit, und macht eine Tugend wankend, dieselten oder nie wieder dahin zurückkehrt, von wo sie einmalverdrängt worden ist.

Frage nicht: Welches ist die Grenzlinie zwischen anständigen,zwischen freien und frechen Scherzen? Mehr als das Wortjedes Sittcnlehrers sagt es dik dein eigenes Herz; sagt es selbstdem Wüstling sein Gewissen, weil er oft da aus Klugheit dieGebote der Schamhaftigkeit achtet, wo er sie nicht ungestraftverletzen dürfte. Groß ist das Reich der geselligen Freuden,und wer in demselben Erheiterungen sucht, findet sie, ohnegezwungen zu sein, nach solchen zu Haschen, die reinen Ge-mächern ekelhaft sind, weil sie aus dem Schlamm der niedrigstenSinnlichkeit entsvringen.

Schamhaftigkeit ist das erhabene Selbstgefühlmenschlicher Würde. Schamhaftigkeit verhüllt Alles, wasden Sterblichen zu sehr an seine Gleichheit mit dem Thierc er-innert; Schamhaftigkeit zwingt ihn, überall in höherer Gestaltzu erscheinen, und selbst das Irdische und Gemeine durch seinenGeist gleichsam zu vergeistigen, zu veredeln. Wehe aber, wennder Geist ein Knecht der Thierheit wird, und der Witz einWerkzeug viehischer Gelüste! Da ist die Würde des Menschenvernichtet, weil die Ordnung der Natur umgekehrt worden.Der Mensch geht unter; seine Bestimmung ist verloren, seinBeruf aufgehoben!

Böse Gesellschaften, sagt die heilige Schrift, verberben guteSitten. Wie schrecklich für viele fromme Aeltern hat sich dies Wortan der Unschuld und Wohlfahrt ihrer Kinder, an der Glück-