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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
321
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die man sich endlich bis zur Gleichgültigkeit gewöhnt; wenn wirunsere Freiheit, den Beifall edler Freunde, den Segen guterVerwandten, die größer« Mittel, nützlicher in der Welt lebenzu können, und die Aussichten in eine ruhige Zukunft aufgeropfert haben.

Schließe den Bund der Freundschaft, doch nichtohne freie Wahl. Aber deine Wahl ist so lange nicht frei,als das Urthcil deines Verstandes gebunden ist vom Urtheile dessinnlichen Begehrens, der Eitelkeit und Selbstsucht. Was bloßdeine Leidenschaft wählt, das geht ^ach kurzer Zeit mit ihr unter.Vertrauest du deiner eigenen Kraft nicht, so fordere das Urthcilder Unparteiischen ein.

Während das Herz sich nur blindlings nach Gegenfreund-fchaft sehnt, gebeut uns der Verstand, jede innigere Vertraulich-kcit mit einer Person zu meiden, von welcher wir keine Sicherheithaben, daß sie uns auch dann noch Hochachtung einflößen werde,wenn ihr das fehlt, was uns zuerst vorzüglich an sie zog. Denkedir, wo dich die Anmuth im Aeußcrn entzückte, diese durchKrankheit oder ein Jahrzchend vernichtet: ddcr frc.Zc dich:würdest du die Person, deren Umgang dich wegen ihres Rangesund Standes freut, noch lieben, oder geliebt haben, wenn siem der bürgerlichen Welt niedriger stände, als du? Oder wennDu dein Herz um des Reichthums willen verschenkst, der denumgibt, welchen du zum Freund machen willst, frage dich:wäre dir dieser so ganz Alles, was er jetzt zu sein scheint, wenner kein Vermögen besäße?

Zittere vor deiner Zuneigung, zittere vor jederVertraulichkeit, wenn dein Gewissen dir ein war-nendes Nein zuflüstert; zittere vor den Betrügereien einerschmeichelnden Einbildungskraft, die dir n i e die Eigenschaften dar-stellt, welche der zu liebende Freund oder die Freundin wirklichhat, sondern nur er oder sie haben könnte! Du glühst für einschönes, selbstgeträumtes Bild, nicht für den wirklichen Menschen,dem du die Göttlichkeiten andichtest, die er kaum kennt.

Wähle, um in der Freundschaft glücklich zu sein, keinePerson des andern Geschlechts zum Vertrauten.