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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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Wohl mag es vielerlei Volker, vielerlei Sprachen, vielerleiGesetze und sogar vielerlei Kirchen geben: aber es gibt nur einealleinseligmachende Religion! Haben nicht alle Nationen nureinen Gott, den sie im Staube anbeten, so verschieden auchalle ihre Vorstellungen von dem höchsten Wesen sein mögen?Haben nicht alle eine Sehnsucht, eine Hoffnung zur Ewigkeitund Vergeltung des Guten und Bösen nach dem Tode, so ver-schieden auch ihre Meinungen von dem Zustande der Seelenjenseits des Grabes sein mögen? Haben nicht alle einewiges und ein gleiches Gesetz in ihrer Brust, das Gesetzder Gerechtigkeit und Liebe, das Gesetz, aus welchem alleTugend, aller Abscheu vor Verbrechen stammt; das Gesetz,welches Jesus in den Worten aussprach: Was du willst,das dir die Leute thun sollen, das thue du ihnenauch! Warum weigerst du dich, mit Petrus zu sprechen:Auch ich erfahre es mit der Wahrheit, daß Gott die Personnicht ansieht, sondern in allerleiVol k, werihn fürchtetUnd recht thut, der ist ihm angenehm' (Apost. Gesch.10, 34. 35.)

Warum weigerst du dich, andere Christen, weil sie in ihrenbesondern Vorstellungen von der deinigen abweichen, für nichtso vollkommene und weise Christen zu halten, als du bist? Oderwarum dünkst du dich erhabener, als sie, weil sie weniger kcnntniß-und einsichtvoll sind, als vielleicht du, und Gott nach ihren ein-geschränktem Begriffen in der Einfalt und Demuth ihres Herzensverehren? Nicht das Wissen macht den Christen, sondern dieLiebe Jesu Christi, die Liebe, mit derer, der Heilige, dieMenschen geliebt hat, mit der auch wir sie lieben sollen, diesemacht den Christen. Denn das Reich Gottes bestehetnicht in Worten, sondern in derKraft. (1. Kor. 4,20.)

Es liegt in diesem Ausspruch der heiligen Schrift ein tieferSinn. Es ist dem Christen würdig, ihn ganz zu durchdringen,und hinwieder sich selbst mit ihm zu durchdringen. Das gött-liche Wort übt dann erst seine Kraft über des Menschen Geistund ganzes Gemüth, wenn wir es in uns zu einer lebendigenErkenntniß gebracht haben. Denn dunkele Vorstellungen ver-