Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

185 -

aus seiner erkünstelten Sicherheit aufschreckt! Wahrlich, dieSchlangenbisse der Reue schmerzen heftiger, als aller Vorrhcil,alle Freude uns in der sündigen Stunde wohlthat.

Die Plage des bösen Gewissens mischt sich in alle unsereVergnügungen. Gelingt es dem Böscwicht, sich selbst in denZerstreuungen des Tages zu vergessen: das Andenken an seinUnrecht schleicht gespensterhaft in der Nacht an sein Bett. Ersehnt sich nach dem Schlafe, aber die Erinnerung verfolgt ihnin schweren Träumen. Mancherlei und groß können menschlicheLeiden sein, aber nur eins ist das schrecklichste von allen esist die Gewissensangst. Sie haßt den Sonnenschein, derein Verbrechen beleuchten könnte, und schaudert vor der Dunkel-heit der Nacht, worin Verrärhcrei zu schleichen pflegt. Sie fliehtdie Einsamkeit, wo das Gedächtnis; der begangenen Schandthatnur lauter wird, und flieht die Gesellschaft, um nicht ihre eigeneVerratherin zu werden.

Unaufhörlich zittert das schuldbewußte Herz vor dem Augen-blick, welcher der letzte seines Geheimnisses ist. Aber die Peinder Furcht und der ewigen Vorwürfe steigt endlich so hoch, daßder Sünder, um von der Höllenangst frei zu sein, selbst hineilt,und sein Vergehen bekennt. Wie mancher Mörder hatte keineRuhe mehr, bis er zum Richter lief, und seine Schuld offenbarte!Wie mancher Betrügen lag auf dem Todtcnbette, und konntenicht sterben, bis er an dem Betrogenen oder dessen Kindernseine Schuld wieder gut gemacht hattet

Dies ist die furchtbare Macht des Gewissens! Es kann eineZeit lang übcrtäubt, nie unterdrückt werden. Es erwacht, undje später, desto entsetzlicher. Der Sünder wird der Raub seinerReue, er muß die Frucht seiner Schande ärnten, und wäre eserst am Rande des Grabes, wo er trostlos verzweifelt.

Das Gewissen lohnt! So göttlich lohnt es, als es dieverschmähte Tugend furchtbar rächt.

Wer ein frohes Bewußtsein hat, sieht in allen Menschen,die ihm begegnen, nur Freunde. Er weicht Niemand aus; erhat keinen zu scheuen. Er beklagt den Lasterhaften; er liebt denRechtschaffenen, und steht jedem offen zur Rede. Sein Gemüth