an keinem Vater - und Mutterherzen ausweinen; kann seine kleinenFreuden mit keinem Bruder, keiner Schwester theilen. Es wirdvon fremden Händen gepflegt; cs ist überall Stiefkind.
Ihr Unbarmherzigen, die ihr diese beweinenswürdige Un-schuld verstießet, die ihr die Schande vor dem ewigen gerechtenGott der Schande vor der Welt vorzoget: euch richtet Gott!er richtet euch! — Jenes Kind, es ist euer Blut; ihrwollet es verläugnen, Gott aber, der Allbarmherzige,verläugnct es nicht. Es wird ein Tag des Schreckenseuch die Thränen, das Elend und den Fluch des Verläugnetenvorrechnen!
Gott straft die Sünden der Väter an denKind ern bis ins dritte und vierte Glied! Diese furcht-bare Drohung sehen wir noch täglich um uns her an denen er-füllt, welche thierischer Wollust fröhnten. Es trägt das neu-geb orne Kind in der Wiege die Spuren des von denAusschweifungen der Aeltern vergifteten Geblüts; es ist derErbe ihrer Entnervung, ihrer Schwäche, ihrer Schwermüthig-keit; es welkt früh zum Grabe hin, und die Reue des verzwei-felnden Wollüstlings heult zu spät zwischen den theuern Leichnamenseiner Erzeugten. Er war ja durch seine Ausschweifungen ihrMörder; seine Unkeuschheit hat den Keim des Todes in ihnenzum Keim des Lebens gesellt. Ganze Geschlechter starben durchdie Sünden der Wollust aus.
Wer schaudert nicht vor diesem Bilde, das tausend Er-fahrungen noch schrecklicher darstellen, als ich es denken willund kann!
Sünder, dessen Blicken diese Zeilen, diese Worte begegnen,dessen schuldbewußtes Herz lauter pocht: ermanne dich, wenndu noch kannst, und rette mit einem verzweifelnden Muth dieNeige deiner Kraft und deines Lebens! Sünden übtest du immerzu früh; Besserung des Herzens kommt nie zu spät.
Ihr aber, Edlere eures Geschlechtes, unverdorbene Seelenrettet euch vor den Versuchungen der Wollust, da es noch Zeitist: bewaffnet euer Herz schon früh gegen die Gewalt der Ver-führung und des üppigen Leichtsinns durch hohe, unvertilgbare