Was ist dem Jammer christlicher Aeltcrn zu vergleichen,wenn eine Tochter die Beute viehischer Wollust, der Raub derVerführung wird? — Sie erliegt unter der Last der öffentlichenSchande und unter dem Spott der Bekannten, unter dem Flucheder Verwandtschaft, unter den Thränen der Mutter. IhreFreundinnen schämen sich ihrer; der Kranz jungfräulicher Ehreist von ihrem Haupte gerissen. Welcher redliche Mann möchteder Gefallenen die Hand bieten, und die Geschändete zur Ehreseines Hauses machen?
Unerbittlich ist das Gericht der Welt über die Entehrte,welche den Augenblick geiler Lust mit der Einsamkeit und Freuden-armuth des ganzen Lebens büßt. Und wenn die Welt denFehltritt vergessen und verziehen hätte: kann ihn die Tief-gesunkenevergessen? Jeder Tag bringt ihr neue Vorwürfe,und die Erinnerung geht in ihre Träume über.
Umsonst sucht manche Unglückliche ihre Schuld mit neuenVerbrechen zu verbergen. Die Wahnsinnige, verlassen von allenHoffnungen und selbst vom Tröste der Religion, färbt ihre'Hände mit dem Blute des Kindes, das sie gebar. EntsetzlicherGräuel! Die Elende zerreißt die heiligsten Bande der Natur,und wird die Mörderin ihrer eigenen Frucht. Sie hatte nichtden Math, Mutterfreuden zu fühlen, wenn gleich von denThränen der Reue getrübt; aber sie will den Muth haben,Mörderin zu heißen, und des schimpflichsten Todes zu sterben!Vergebens ruft sie den tiefen Strom, vergebens das schwarzeGehölz, vergebens die Finsterniß der Nacht bei ihrem Verbrechenzu Hilfe. Der Strahl des Tages beleuchtet endlich jede Schand-thar, und die Hand der göttlichen Vorsehung deckt das Ver-brechen auf, unter welchem das Blut der Unschuld zum Himmelschreit.
Soll ich die bangen Qualen schildern, welche im Kerker dieeinzige Gesellschaft der. Sünderin sind? -— die jammervollenNächte, in welchen ihr die trauernden Gestalten ihrer Aeltern,ihrer Geschwister, ihrer ehemaligen Gespielen erscheinen? — dieschweren Bekenntnisse der Sünden vor dem ernsten Kreise derRichter, denen sie selbst ihre Schande offenbaren muß? — die