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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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unverhohlen offenbaren? oder wer wird sich bereden lassen,daß ihre Aufführung im häuslichen Leben nur eine Wirkungkleinerer Schwachheiten, nur Folge körperlichen Mißbehagenssei, da eben diese Leute Stärke genug haben, so oft sie wollen,ihre Fehler für eine Zeit lang abzulegen, und, sobald sie inandere Gesellschaften eintreten, der besten Gesundheit genießen?

Inzwischen wird man bei ihnen, auch wenn sie eine noch sogroße Liebenswürdigkeit in Gesellschaft erkünsteln, dennoch allerzeit die Verdorbenheit ihres Gcmüths durchschimmern sehen.Es ist vergebens, daß sich der Engel der Finsterniß in das vor«theilhafteste Licht stellt. Seine angenommene Schönheit bleibtein Kunstwerk, und behält mehr oder weniger unter der rosen-farbencn Schminke die alte, häßliche Grundfarbe bei. Allediese angenommene Artigkeit und scheinbare Scelcngüte ist nichtWahrheit, sondern bloße Höflichkeit und geziertes Wesen. Diesfühlen dergleichen Doppelmenfchen sehr wohl; darum, was sienicht durch die Vortrcfflichkeit ihres Herzens zu gewinnen ver-mögen, hoffen sie durch Anstrengung ihres Witzes, durch denGlanz belustigender Einfälle, durch Anmutb der Unterbg!-«»^gäbe, durch Freiheit ihrer Anmerkungen zu ersetzen. Und aller-dings mag es ihnen leichter sein, vermöge eines lebhaften Ver-standes Gefallen zu erregen, als durch Reinheit und Schönheitdes Herzens. Denn diese Reinheit muß erworben werden;Sa hingegen Witz, Einbildungskraft und äußere Gestalt bloßeGeschenke der Natur sind.

Auch ge fallen solche künstliche Menschen nie auflange Dauer. Sie können unterhalten und belustigen, unddennoch wird ihnen keine wahre Achtung und Freundschaft zuTheil. Früher oder später lassen sie wieder ziemlich unvorsichtigdie Larve fallen, besonders wenn der Ton der Gesellschaft, inwelcher sie sich befinden, nach und nach fröhlicher und un-gezwungener wird. Dann sind sie gewöhnlich die Ersten, welchedie zarten Grenzlinien des Anständigen überschreiten, und vomMuthwillen sich in das Ausgelassene verlieren. Dann tretendie verborgenen Leidenschaften eine um die andere, anfangsnoch schüchtern, bald kecker hervor. Dann spricht neben der