Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
80
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dem, was fromm, recht und edel ist, angeführt, oder eigener,innerer Trieb lockte dazu; aber man versäumte, zugleich dem,was schicklich in der gesitteten Welt sein mag, die nöthige Auf-merksamkeit zu gönnen. Oft auch, wenn man Menschen mitödem Kopfe und ödem Herzen sah, wie sie ihre ganze Kunst undGeschicklichkeit in die elende Wichtigkeit der sogenannten feinenLebensart setzten, Höflichkeiten und Schmeicheleien machen, sichzierlich kleiden, zierlich tändeln, zierlich nichts thun konn-ten, und so nichts, als von innen dürftige, von außen gezierteGestalten waren, mochte dem edlern Gemüth, dem größern Geistein Ekel anwandeln vor dem, was man äußerliche Wohlanständig-keit nannte. Man ging in seiner Verachtung des Aeußern zuweit, und machte sie zur Gewohnheit, oder zu einem Grundsatz,ohne zu bedenken, daß Vieles schätzbar in der Hand des Weisenwerden könne, was in der Hand des Thoren thöricht ist.

Nicht minder mag zuweilen die Härte, Verschlossenheit unddas finstere Wesen sehr redlicher und frommer Menschen ausunglücklichen Erfahrungen entstanden sein. Denn'nur zu häufigist der Fall, daß diejenigen, welche den Umgang und die Ver-traulichkeit der Menschen fliehen, ehemals ihre innigsten Freundegewesen sind. Es ist lebhaften und tief empfindenden Personeneigen, daß sie in Allem mit namenloser Hingebung handeln. Eskann kaum Einer das schmerzliche Gefühl der Menschenfeindlich-keit haben, der die Menschen nicht vorher mit herzlicher In-brunst und Selbstaufopferung geliebt hätte. Aber getäuscht inseinen vielleicht überspannten Vorstellungen von Menschenwerth;verkannt bei allem seinem guten Willen; mit schnödem Undankbezahlt für Alles, was er aus treuer Liebe gethan; zurückgestoßenbei aller seiner Gutherzigkeit zog er sich zuletzt schüchtern insich selbst zurück, und an die Stelle der Liebe trat Furcht,Verachtung und Haß der Menschen. Er hört darum nicht auf,fromm, wohlthuend und edelmüthig zu sein, aber er thut dasGute nur aus Pflichtgefühl, und wie gegen Wesen, die vonEdelsinn und innerer Güte weder eine Vorstellung haben, nochder schonenden Behandlung würdig sind, welche die Tugendfordert. Aber ein Unglücklicher dieser Art bedenkt nicht, daß,