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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
42
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deinen Willen, hervorbricht und laut wird? Ist es nicht viel-leicht dein gekränkter Stolz, den du zwar hinwegläugnen möchtest,aber der dich zu seinem Unterthan macht? Ist es vielleicht nichteine unruhige, übertriebene Habsucht, die dich in einen Sklavenverwandelt, und deine übrigen guten Eigenschaften verdirbt?

Nie, wenn du mit Ernst dein Inneres prüfen willst, wirddir die wahre Quelle deiner Gesinnungen verborgen bleiben;und hast du sie wirklich entdeckt, findest du sie so unrein, daßdu sie jedem Menschen deiner eigenen Ehre willen verschweigenmußt: warum vernichtest du sie dann nicht, es koste dich, wases wolle? Was kann dir denn an einer Ehre gelegen sein, beiwelcher du selbst gestehen mußt, du habest sic gar nicht verdient,weil man dich nicht genau genug kennt? Warum willst du denneine eiternde Wunde deines Leibes lieber mit Gold und Purpur-kappen vor den Blicken unwissender Sterblichen verdecken, stattsie zu heilen? Bist du darum vollkommener, weil dich Menschenehren? Nein, du bist es nicht, denn du kannst dich wegen mancherHandlungen und Gesinnungen selbst nicht achten; du bist es nicht,denn der allwissende Gott wird nicht getäuscht, und er sieht deineGebrechlichkeit, von der du dich nicht befreien magst.

In dem Gewühle des alltäglichen Lebens fehlt freilich oftZeit und Lust, Betrachtungen über sich selbst zu beginnen. DerTag ist der Arbeit, dem Gewerb und dem Umgang geweiht.Hier sollen wir die Grundsätze in Ausübung bringen, welchewir in stillern, geschäftlosen Augenblicken fassen.

Aber wenn die Einsamkeit des Abends oder der Nacht unsdem Getümmel der Welt entzogen und uns gleichsam an unsselbst wieder ausgeliefert hat; wenn in finstern Schatten weitüm uns her Alles ruht und schweigt, und wir Keinem als unsselbst und Gott gehören Gort, der über uns in der Finsternißwaltet, in dessen Hand unser Leben, Gesundheit und Dasein derlieben Unsrigen liegen! dann ist's die rechte Zeit zur ernstenSelbstbetrachtung. Die Natur scheint uns in uns selbst zurück-zudrängcn, und die Ereignisse des verflossenen Tages ziehenfreiwillig vor unserer Seele vorüber, um sich mustern zu lassen.