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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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um diese oder jene Wunde unsers Gewissens nicht zu berühren,die noch zu heftig schmerzt. Oft werden wir sie verschiebenwollen, weil irgend eine verächtliche Leidenschaft noch in unsBefriedigung begehrt. Jm.ner aber wird unsere, sich selbstgefällige, schmeichelnde Eigenliebe die Augen unsers Geistesgegen sich selbst blind machen, gewisse Schwächen zu bemänteln,und tadelnswürdige Blößen zu verschleiern suchen. Zur Selbst-kenntniß gehört erst ein Kampf mit unserm schlechtem Selbst;wir müssen erst unserm Ehrgeiz und Stolz, unserer Habsuchtund Neigung zur Wollust, unserm Haß und Groll Schweigengebieten, damit die Stimme ruhiger Vernunft allein vernommenwerde.

Denke bei jeder bedeutenden Handlung deines Lebens: wiesolltest du als Christ und Weiser thun? und wozu wirst duhingegen von deinen sinnlichen Begierden, von den in dir lautgewordenen Empfindungen gerathen? Dann entscheide dich schnellfür das Gerechte, dem dein Gewissen Beifall gibt, und opferedeine Selbstsucht auf, so sehr sie sich auch widerstreben möge.

Denke nach jeder Handlung, mit welcher dueinem Menschen wohl und wehe thatest: warumhast du dies gethan? was verleitete dich zu diesemSchritt? Spüre mit festem Blicke den heimlichen Ursachennach, wenn sie sich auch noch so tief verbergen wollen. Handel-test du vielleicht nicht mit ruhigem Gemüthe, mit kühler Ueber-legung; überraschten dich vielleicht mancherlei Umstände; wardie Zeit zum Ueberlegen zu kurz auch dann laß nicht ab, indir zu forschen: Woher die Gefühle, die dich bewegten? Hastdu wohl daran gethan, sie über dich in dem Augenblick herr-schend werden zu lassen? Bist du durch deine Unbesonnenheitnicht vielleicht in den Augen Anderer aus der. Achtung herab-gesunken, die sie dir sonst weihten, und die sie dir schuldig waren,weil sie dich noch nie so schwach sahen? Woran liegt es,daß du, wie diesmal, auch zu andern Zeiten mißvergnügt nach-her über das bist, was du hier oder da gesprochen? Welches istauch der wahre, geheime Grund deiner Uebereilungen? Istes nicht deine verborgene Eitelkeit, die immer, zuweilen wider