Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

und treu in deinen Worten, die du gibst, vorsichtig in denWorten, die du empfängst. Sei menschenfreundlich in deinenHandlungen gegen Unbekannte, männlich treu gegenFreunde, großmüthig gegen Feinde. Vertheidige ohne Bitter-keit dein Recht, doch nie mit Verletzung gerechter Ansprüchedeines Gegners.

Dies, Jüngling, ist Christenthum, und dies Alles umfaßtdas Wort: Liebe deine Gottheit über Alles, und deine Mit-menschen wie dich selbst! Diene ihnen in ihren verschiedenenVerhältnissen, wie du dir selbst dienen würdest, wenn du anihrer Stelle ständest.

Es ist leicht, groß und gut zu handeln, wenn man sich vonden Beispielen des Großen und Guten umringt steht; cs istschwer, fast unmöglich, den reinen Adel seines Herzens unbeflecktzu bewahren, wenn man die Beispiele des Schlechten und Ge-meinen beständig vor Augen hat. Was dir daran anfangs Ekelerweckte, wird dir zuletzt durch Gewohnheit gleichgültig. Undwer gegen das Schlechte gleichgültig geworden ist, ist selbst nichtmehr gut.

Darum sei besonnen in der Wahl deines Um-gangs. Laß von Gesellschaften los, von denen dir deine eigenenunverdorbenen Gefühle sagen, sie seien anstößig und schlecht.Keinen Fre* rd mußt du haben, oder nur einen solchen, dessenDenkart die deinige bessert, und von dessen Umgang du fürGeist und Herz Gewinn hoffen darfst. Ein Freund, der nichtin vielen Dingen besser ist, als du selbst bist, hält dich im Laufezur Vollkommenheit auf. Ein Freund, der in manchen Dingenfehlerhafter ist, als du selbst bist, führt dich auf deiner Laufbahnrückwärts.

Am vorsichtigsten sei im Umgang mit Personendes andern Geschlechts. Die Edeln unter ihnen werdendich schneller veredeln, als drin tugendhaftester Freund; dieSchlechten unter ihnen werden dich schneller verderben, als derverdorbcnste deiner Bekanntschaft. Den Edeln gefällst du nurdurch deine Unschuld; nur diese Unschuld des Gcmüths gibt direine Hoheit und Liebenswürdigkeit, welche du vergebens durch