Druckschrift 
4 (1844)
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

reicher erscheinen muß, als in manchem geistlosen Romane, zudessen Illumination man ihn bestellt hat. Wäre ich so glücklich,hierdurch auch nur einige unserer jungen Schriftsteller zu bewe-gen, nur erst ein Zehentheil ihrer Empsindelei gegen Hang zurBeobachtung umzutauschen, so hoffte ich, bald das zweite unddritte und endlich gar Alles zu bekommen. Denn, ich wieder-hole es noch ein Mal, ohne sich und Andere zu beobachten undzu kennen, und das Erkannte so bestimmt sagen zu lernen, daßman die Wahrheit, Neuheit und Individualität der Bemerkungauch durch das abgeschliffcnste Wort erkennt, dürfen sie keinenAnspruch auf wahren Ruhm in diesem Fache machen. KeinMensch, der nicht so zu reden, Jedermanns Heimlichkeiten zusagen weiß, sollte sich an einen Roman oder an ein Schau-spiel machen. Ich sage hiermit nicht, daß er es alsdann sollteoder könnte, wenn er dieses kann, sondern nur, daß er es ohnediese Gabe nicht kann. Auch wird ihm ohne diese Gabe allesLesen der Alten und Neuern nichts helfen. Denn wie kann ernützen, was er nicht wahr findet, und wie kann er wahr fin-den, was er nicht mit einem sicher erkannten Originale, es seinun er oder sein Nächster, zusammenzuhalten weiß. Daherrührt es, daß Leute, die ihren Homer immer studiren,ihren Ossian immer in der Tasche haben und ihren Horazauswendig wissen, wenn sie selbst zu schreiben anfangen, schrei-ben, als hätten sie es aus ihrem Hühner') oder aus ihrem

') Johann Hübncr, geb. 1668. gest. 1731. Verfasser mch-