Druckschrift 
4 (1844)
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58

gewiß tiefsinnige Köpfe ohne lambertische Nasen gibt, als, solange die Welt steht, die lambertischen Nasen gemeiner seinwerden, als die Lamberte.

Die festen und unbeweglichen Theile, zumal die Form derKnochen, trügen, einmal weil sie bei jeder Art von Verbesserungdes vcrbcsserlichen Geschöpfs, die noch lange nachher Platz Hai,nachdem diese ihre völlige Festigkeit erreicht haben, noch Stattfindet; und zweitens, weil, da ihre Form so wenig von unsermWillen abhängt, auch der Einfluß äußerer Ursachen unvermeid-licher ist, und ein einziger Druck oder Stoß allrnälig Verän-derungen wirken kann, deren Fortgang keine Kunst mehr auf-zuhalten im Stande ist. Auch, wenn sich etwas daraus herlei-ten ließe, so wären die festen Theile doch immer nur eine be-ständige Größe, ein einziges, in unzähligen Fällen unbe-trächtliches, Glied der unendlichen Reihe, durch die der Cha-rakter des Menschen gegeben ist. Herr Lavater hält die Nasefür das bedeutendste Glied, weil keine Verstellung auf sie wirkt,Sehr gut, wenn Übergang von Wahrheit zu Verstellung undvon Verstellung zu Wahrheit die einzige Veränderung im Men-schen wäre. Allein bei einem Wesen, das nicht allein durchmoralische, sondern physische Ursachen wirklich verändertwerden kann, ohne daß die Nase deßwegen folgt, sollte ich den-ken, wäre ein so unveränderliches Glied, nicht allein für dieWahrheit unbedeutend, sondern wider dieselbe verführerisch. Jefeiner und folgsamer der Thon, desto richtiger und wahrer derAbdruck. Die beweglichen Theile des Gesichts, die nicht allein