sagen könnte, unter !0 Bösewichtcrn :r. sah immer einer soaus, so könnte man Charaktere so berechnen, wie die Mortali-tät. Allein hier zeigen sich gleich unübersteigliche Schwierigkei-ten, völlig von dem Schlag derer, denen die Prophetik ihre Zu-verlässigkeit zu danken hat. Denn obgleich im gemeinen Leben,unter dem geschriebenen Gesetz und vor dem menschlichen Rich-ter, die Entscheidung über den Charakter leicht sein mag, so istes doch, wo nicht eine einzige That gerichtet, sondern auf einenganzen Charakter gerichtet werden soll, sehr schwer, und viel-leicht unmöglich in einem besondern Fall zu sagen, was einBösewicht sei; und an Wahnsinn grenzende Vermefsenhcit, zusagen, derjenige, der aussieht wie der Kerl, den dieses oderjenes Städtchen für einen Bösewicht hält, ist auch einer. Esist eine currente Wahrheit: Daß es wenig böse Thaten gibt,die nicht aus Leidenschaft verübt worden wären, die, bei einemandern System von Umstünden der Grund großer und lobens-würdiger hätten verübt werden können. So abgeschmackt frei-lich eine solche Entschuldigung nach vollbrachter Übelthat wäre,so sehr verdient sie bei dem noch unbescholtenen oder wenigstensunbekannten Mann erwogen zu werden, der eine Voraussetzungvon meiner Vernunft von Gott und Rechtswegen fordern kann,die jener meiner Menschenliebe abbettelte. Was wollt ihr alsoaus Ähnlichkeit der Gesichter, zumal seiner festen Theile, schlie-ßen, wenn derselbe Kerl, der gehenkt worden ist, mit allenseinen Anlagen unter andern Umständen statt des Stricks denLorbeer hätte empfangen können? Gelegenheit macht nicht
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten