nehmen, und darunter die Fertigkeit verstehen, aus der Formund Beschaffenheit der äußeren Theile des menschlichen Körpers,hauptsächlich des Gesichts, ausschließlich aller vorübergehendenZeichen der Gemüthsbewegungen, die Beschaffenheit des Geistesund Herzens zu finden; hingegen soll die ganze Semiotik derAffecten, oder die Kenntniß der natürlichen Zeichen der Ge-müthsbewegungen, nach allen ihren Gradationen und Mischun-gen Pathognomik heißen. Das letztere Wort ist schon zu diesemGebrauche vorgeschlagen worden. Es wird hier nicht nöthigsein, ein neues Wort zu machen, das beide unter sich faßte,oder welches besser wäre, statt des erstem ein anderes zu suchen,und dann Physiognomik zum allgemeinen Ausdruck anzunehmen,wie jetzt gewöhnlich ist, und wie es auch deßwegen in der Auf-schrift zu diesem Aufsatz genommen worden.
Niemand wird leugnen, daß in einer Welt, in welcher sichAlles durch Ursache und Wirkung verwandt ist, und wo nichtsdurch Wunderwerke geschieht, jeder Theil ein Spiegel des Gan-zen ist. Wenn eine Erbse in die mittelländische See geschossenwird, so könnte ein schärferes Auge, als das unsrige, aber nochunendlich stumpfer als das Auge dessen, der Alles sieht, die Wir-kung davon auf der chinesischen Küste verspüren. Und was istein Lichttheilchen, das auf die Netzhaut des Auges stößt, vergli-chen mit der Masse des Gehirns und seiner Äste, anders? Die-ses setzt uns oft in den Stand, aus dem Nahen auf das Fernezu schließen, aus dem Sichtbaren auf das Unsichtbare, aus demGegenwärtigen auf das Vergangene und Künftige. So erzäh-