373
blicke, was er eine lange Zeit hat versaget; er gibtzuweilen am Ende des Gebeths, was er zn gebenverzögerte im Anfänge.
2. Würde die Gnade allezeit sogleich gegeben,und käme nach Wunsch, so könnte sie der schwacheMensch nicht wohl tragen. Darum muß man wartenauf die Gnade der Andacht, in guter Hoffnung unddemüthiger Geduld. Messe cs jedoch dir selbst zu unddeinen Sünden, so sie dir nicht wird gegeben, oderverborgener Weise entzogen. Es ist zuweilen einGeringes, was die Gnade verhindert oder verbirgt;so man anders das ein Geringes, und nicht einGroßes soll nennen, was uns entziehet ein so gros-ses Gut. Und wenn du nun dies Geringe oderGroße hast weggeräumct und vollkommen überwun-den, so erlangest du, was du begehrctcst.
3. Denn sobald du dich Gott wirst übergeben ha-ben von ganzem Herzen, und nicht dies suchestoder jenes, nach deinem Belieben oder Wollen,sondern dich ganz in ihn setzest; so wirst du dichmit ihm vereiniget und beruhiget finden: denn eswird dir nichts so angenehm seyn und erfreulich,als das Wohlgefallen des göttlichen Willens. Weralso seine Absicht erhebet hinaus zu Gott mit rin-
24