271
Andern wird man dies »der jenes anvertrauen,dich aber zu nichts tüchtig halten. Um deßwillenwird die Natur sich zuweilen betrüben, und cswird viel sepn, so du es mit Stillschweigen er-trügest. In diesen und viel ähnlichen Dingen,pfleget geprüft zu werden ein treuer Diener desHerrn, wie er sich selbst könne verläugnen und inallem seinen Willen brechen. Kaum ist irgend et-was, in dem du bedarfst so sehr dir abzusterben,als wenn du das mußt sehen und leiden, was dei-nem Willen widerwärtig ist; sonderlich aber,wenn dir Dinge befohlen werden, die unschicklichsind, und dir wenig nütze scheinen. Und dieweildn dich nicht getrauest zu widerstehen der höherenGewalt des Obern, worunter du stehest; soscheinet's dir hart, zu folgen dem Wink eines An-dern, und fahren zu lassen allen eigenen Sinn.
6. Aber bedenke mein Sohn, die Frucht dieserMühseligkeit, das baldige Ende, und den sehrgroße» Lohn; so wirst du darüber keine Beschwer-niß haben, sondern den stärkesten Trost deinerGeduld. Denn auch für diesen geringen Willen,welchen du jetzt freiwillig verlässcst, wirst du alle-zeit deinen Willen haben im Himmel. Da wirst