Druckschrift 
Die katholische Kirche Schlesiens : nebst einem Anh., enth. einige Wünsche eines vieljährigen Seelsorgers
Entstehung
Seite
348
Einzelbild herunterladen
 

348

diejenigen, die zu Hanse geblieben sind und die Nachbarn,zu bezaubern, damit der Thoren kein Ende sei, bringensie zwar keinen Ablaßbrief, wie ehemals die Pilger vonRom, mit, kaufen aber Wallfahrtslieder und Gebete, angc-rührte Bilder, Gebete zur Länge und Breite Christi undMariä, Rosenkränze, Scapuliere u. s. w., womit amOrte des wunderthätigen- Gnadenbildes der schmachvollsteHandel getrieben wird. Wenn man in eine Wallfahrts-kirche eintritt, so erinnert man sich unwillkührlich an diegroße Diana zu Ephesus. Das Volk verdient alles Mit-leid, aber Verachtung den Priestern, die das Volk vonder Verehrung Gottes ableiten, cs durch vorgegebene Mi-rakel täuschen, das Gnadenbild heraussireichen, und ihmden letzten Heller ans der Tasche ziehen. O Religion,wann wirst du in deiner göttlichen Schöne und Reinheitdeine Verehrer erleuchten! O Christus! wann reinigst duden Tempel, der Verehrung Gottes im Geiste und in derWahrheit geweiht, von den Heiligthumsschändern! !!!!

ersten Anblick der Wallfahrtskirche mit ausgcstreckten Armen undFüßen auf die Erde hinstürzcn, indem wir dadurch eine arme Seeleaus dem Fegefeuer erlösen konnten. I» eine wahre Seelenangstwird man versetzt, wenn man das Bild von einem Geistlichen derdortigen Kirche zu küssen, oder vielmehr nur mit der Wange zu be-rühren bekommt. Denn nach der allgemeinen Rede wendet sich dasBild weg von dem, der mit Sünden behaftet ist. Wie vcrzwcif-lungsvoll schon manche von dem gemeinen Volke deswegen gepeinigtund gefoltert worden sind, weiß ich aus Erfahrung. Was für nichtö-würdigc, höchsttraurige Sagen sich unter den Wallfahrern verbrei-ten, laßt sich kaum sagen. Unter andern, daß diejenigen, die sich inihrem Leben hicher verlobt haben, und dies nicht erfüllten, nachdem Tode als Kröten hicher rutschen müßten. Gütiger Gott!