Druckschrift 
Die katholische Kirche Schlesiens : nebst einem Anh., enth. einige Wünsche eines vieljährigen Seelsorgers
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326

und singt das Evangelium Lucä 40:In jener Zeit ging

Jesus-" 24) Der Bischof küsset das Evange-

licnbuch, macht noch ein Kreuz über die Glocke und geht,woher er gekommen war.

Dies sind die Ceremonien bei einer Glockenwcihe nachdem römischen Pontisi'cale, Ceremonien, die in den Zeitender Barbarei, der Unwissenheit, der Dummheit und derunterdrückten Vernunft, in den Zeiten, da das Christen-thum beinahe untergegangen war, die Geistlichkeit aberdurch Teufeleien nnd Ercommunicationen sich desto mäch-tiger gemacht hatte, festgesetzt, und so sehr sie auch diegesunde Vernunft, das Evangelium und das ächte Chri-stenthum profaniren, bis auf die jetzigen Zeiten beibehaltcnworden sind. Ist es nicht Schande, daß noch heut zuTage Bischöfe dergleichen üben? Sind dies aber christlicheLehrer, verdienen sie den Namen Bischöfe, gesetzt vomheiligen Geist, die Kirche Gottes zu regieren? Da manden Glocken den Namen eines Heiligen oder einer Heiligi»beizulegcn pflegt, und bei dieser Ceremonie ein Abwaschenvorkommt, so heißt die Glockenwcihe auch Glockentaufe.Ehemals wurden sogar Gevattern dazu gebeten, welchewahrend der Taufhandlung das Glockenseil anfassen, aufdie Frage» des Bischofs, wie die Glocke heiße, gleich denPathcn bei einer Kindtaufe antworten, und sowohl denTäufer als den Täufling beschenken mußten. Man nahmdaher meistens bemittelte Leute, oft 100 und mehrere bisWo dazu, man schrieb sogar Gevatterbriefe*), hing der

*4 Allerlei Nachrichten von den Glocke» findet man unter andernin der historische» Nachricht von den Glocken-von Ire» io