durchblättert werden kennen. Damit aber die Domherrenihren Kehlen nicht wehe thnn, halten sie gedungene Sang-priester, Chorvicarien, die statt ihrer sich heiser schreienund Gott loben müssen. Da sie also ihre Miethlinge ha-ben, so geruhen die eigentlichen Domhcrrnsanger, nicht inLen Chorgesang zu kommen, außer wenn ihnen daS Au-ßenbleibcn ihrer körperlichen Präsenz Schaden brächte. Wiekann der Staat, besonders zu unsern Zeiten, wo dieStaatsdiener alle an ihren Gehalten Abzug leiden, Geldhinauswerfen für eine so geist- und herzlose Beterei! Wiekann er Leute dulden, die für bedeutende Summen Geldesdas Brevier, dieses Machwerk des Aberglaubens und derBarbarei, dieses Pasquill auf die christliche Religion unddie Lehre vom Gebete, absi'ngcn, und nachdem sie die Frohnedem großen Gott geleistet haben, hcrumlaufcn und nichteine einzige Handlung verrichten, die zum Wohl des Va-terlandes und der Religion dient*)? Sind nicht so viele
*) Wie schön singt nicht ein biederer Deutscher:
Der Priester, der ein Weiser ist.
Und eher sein Brevier,
Als seines Bruders Roth vergißt,
Der ist der Menschheit Zier.
Der Mann, der mit Verdiensten prangt,Der Völker Wohl und Licht,
Wenn auch kein Zehent fallt, verlangt,Der thut des Priesters Pflicht.
Der opfert, wo er steht und geht,
Die Welt ist sein Altar;
Und jeder ruft i Ihr Brüder, sehtDen Engel im Talar.
Kathol. Kirche Schlesiens.
7