Druckschrift 
Über die Staatswissenschaft
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

43 Aphorismen re.

seit des Lebens des Staats bestehen/ eben so ver-derblich, als Reformen, die ein Anknüpfen neuer Fä-den an das Bestehende herbeiführen, heilsam sind.

In dem EntwickelungSproceß des Staats mußalles eine geschichtliche Wurzel haben, um ge-schichtliche Früchte zu tragen. Allein, da das Le-ben des Staats nicht eine bloße Folge von Be-gebenheiten, sondern eine Folge von Begebenhei-ten und auf dieselben sich beziehender Handlungenist, da das Geschehene ein gewisses Schaffen mitsich bringt, und das Schaffen sich auf das Ge-schehene gründen soll; so müssen die Ideen unddie Thatsachen sich wechselseitig die Hand bieten,die Principien und die Geschichte müssen sichdurchdringen. Bei einer jeden Neuerung mußder Staatsmann die Zeichen der Zeit befragen,und diese sind immer Thatsachen, die aus derVergangenheit hervorgehen und sich in der Ge-genwart offenbaren. Aber wenn die Zeichen derZeit auf Neuerungen hindeuten und neue Gestal-tungen fordern, muß der Staatsmann die Prin-cipien befragen, und die abzuschaffenden Formen,so wie die einzuführenden, mit dem Zwecke desStaats zusammenhalten, um über beide ein ge-sundes und vollwichtiges Urtheil zu fallen.

Ueber