Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
140
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Neunte Borlesung

Ausdünstung und Regen.

Noch eine sehr reichhaltige Anwendung der Lehre von denDämpfen bietet uns, m. h. H., die Meteorologie dar. So wieüberhaupt die Wärme die wichtigste Ursache der Aenderungen ist,die wir im Luflkrcifc wahrnchmen, so sind es insbesondre die ent-stehenden und sich verdichtenden, und im entgegengesetzten Falledie verminderten oder durchsichtig gewordenen Dämpfe, von welchenNebel, Wolken, Thau und Regen und von welchen heitere Lustund Trockenheit abhängcn.

Daß die Ausdünstung des, einen großen Thcil der Erde be-deckenden, Wassers unaufhörlich die Luft mit Feuchtigkeit erfüllt,daß durch eben diese Ausdünstung der größere Thcil des im Regenhcrabfallendcn Wassers sehr bald wieder in die Luft zurückkchct,während nur ein kleinerer Theil durch die Flüsse dem Meere zu-slrömt, daß so ein unaufhörlicher Kreislauf der sich in Dämpfenerhebenden und in Regen oder Thau wieder hcrabfallendcn Wassec-theile statt findet, ist bekannt genug. Da so unermeßliche Wasscc-mengen durch die Ströme in das Meer geführt werden und den-noch das Meer nicht höher steigt, da dieser ganze Proceß der Ent-stehung von Regen und der Herstellung des heitern Wetters seitJahrtausenden gleichmäßig fortdauert; so folgt von selbst, daß dasMeer nicht so viel an Regen empfangen muß, als es ausdünstet,und daß das feste Land im Ganzen mehr Liegen als Ausdünstunghaben muß. Beobachtungen über dieses Verhältniß anzustellen, istkaum möglich, weil die Ausdünstung, die wir in Gesäßen mitWasser beobachten, keine genaue Vorstellung von derjenigen Aus-dünstung giebt, die über Wiesen und Wäldern, über trockenenHaiden und Sümpfen, über Bergen und Thälern statt findet; in-deß ist doch diese Beobachtung, um wieviel die Oberfläche eines derLust ausgesetztcn Wassergefäßes sich täglich senkt, die einzige, welche