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Sechste Borlesung.
Wärme, die bei Aendcrung des A g g r e g atz usta » d e»latent wird.
Weit besser als die zuletzt angeführten Erscheinungen lassensich diejenigen erklären, die mit dem Flüssigwerden des Eises undmit der Verwandelung des Wassers in Dampf verbunden sind.Wenn man an sehr kalten Tagen ein Thermometer, daS ganz vonEis umgeben ist, beobachtet, so steht es oft sehr tief unter demNullpuncte; bringt man cs so in einen wärmeren Raum, sowird das Eis erwärmt und das Thermometer steigt bis cs denNullpunct erreicht hat, dann aber zeigt cs, obgleich immer neueWärme zuflicßt, keine Temperatur-Erhöhung an wahrend dasEis schmilzt, sondern das Thermometer bleibt auf Null bis sichdas gesammte Eis in Wasser verwandelt hat. Offenbar ist alsoein Aufwand von Wärme nöthig, um aus Eis Wasser zu machen,und die während der ganzen Zeit des Schmelzens zuströmcndeWärme wird auf diese Form-Acnderung, auf diese Aenderung desAggrcgatzusiandcs, verwandt. Auf ähnliche Weise wird Warmegebunden, um Wasser in Dämpfe zu verwandeln, und sowohl jenerals dieser Wärme-Aufwand hat seine genau bestimmte Größe, dieman in folgenden Zahlen übersehen kann. Nimmt man eine Eis-massc von —10 Gr. Cent, und bringt diese an ein immer gleicherwärmendes Feuer, das gerade so gewählt ist, daß in 4 Minutendie Temperatur des Eises bis 0" steigt, so sollte man erwarten,daß in den folgenden -1 Minuten ein neues Steigen des Thermo-meters bis auf-j-10" statt finden werde, aber das erfolgt nicht,sondern 30 Minuten lang kann jene Wärme gleichförmig zuströ-mcn, ohne etwas anders als die völlige Schmelzung des Eises zubewirken. Sobald alles Eis in Wasser verwandelt ist, steigt dasmit Wasser umgebene Thermometer in 40 Minuten bis zum Koch-puncte, bleibt aber, wahrend das Wasser kocht, hier wieder stehen,und 210 Minuten lang ändert sich die Temperatur des Wassers