Druckschrift 
3 (1832)
Entstehung
Seite
22
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Zweite Borlesung.

Die neulich Angestellten Betrachtungen hatten fast allein denZweck, uns die Mittel, Grade der Warme mit möglichster Genauig-keit kennen zu lernen, zu verschaffen, und von dieser Seite ist dieAusdehnung der Körper durch die Warme uns vorzüglich wichtig;aber auch zur Erklärung mancher Natur-Erscheinungen und zumanchen praktischen Anwendungen führt uns die Kcnnlniß jenerWirkung der Warme.

Erscheinungen, wobei die Ausdehnung durch dicWarinemerklich ist.

Es ist eine gewöhnliche Erfahrung, daß ein Glas zerspringt,wenn man heißes Wasser hineingicßt und daß dies bei einem rechtkalten Glase am leichtesten erfolgt; dies ist der Erfolg der Ausdeh-nung des Glases, dessen Theile nämlich an der plötzlich erhitzteninncrn Seite sich auseinander drängen, und weil die noch nichterwärmten Theile sich noch nicht ausdehnen, ebenso wie beim Beu-gen des Glases, ein Zersprengen bewirken. Wäre das Glas nichtso sehr spröde, so würde cs durch jene Ausdehnung an der inner»Seite ebenso eine Beugung seiner Wände erleiden, wie wir esneulich an dem vereinigten Platin- und Silberstrcifen sahen; aberdie geringste Beugung zerbricht das Glas, und da die Wärme sichnicht so schnell der äußern Seite mittheilt, so bewirket diese Deh-nung an einer Seite sein Zerspringen. Dünne Gläser sind diesemweniger ausgesetzt, weil sie schnell genug in allen ihren Thcilenerhitzt werden. Die Erscheinung erfolgt ebenso, wenn man einkaltes Glas auf den heißen Ofen setzt, wird aber da durch das Un-terlegen eines sich langsam erwärmenden Körpers, z. D. Papier,gehindert, weil dieses keine so plötzliche und ungleichförmige Er-hitzung zuläßt.

Auf eben dem Umstande beruht die Kunst, einen Niß imGlase nach willkührlicher Richtung fortzuführen. Diese Kunstbesteht darin, daß man einen glühenden, spitzigen Eisenstab von