Druckschrift 
Memoire über die Gefangenschaft der Frau Herzogin von Berry
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

80

und dreißig Millionen Christen gestellt, bleibt ihremCultuö fremd, sympathisier nicht mit den Bedürfnissenihrer Frömmigkeit, und schließt sich nicht in ihr Gebetein. Diese GottcSschen der Zufalls-Monarchie kündigteine vorübergehende Erscheinung an, die nichts Blei-bendes und Dauerhaftes in sich trägt.

Die Frau Herzogin von Berry hat das Alles vomUfer des Auslandes her zum Theil gesehen; sie konntenicht glauben, daß der gegenwärtige Zustand der Gesell-schaft der naturgemäße derselben wäre; sie konnte sichnicht einbildcn, daß das Volk sich mit der morschen Au-torität in Rapport setze, und daß Regent und Regiertedurch ihre harmonische Kraftlosigkeit und Kränklichkeitsich vertrügen. Man sagte zur erlauchten Tochter Hein-richs IV. (was vielleicht übertrieben war), es gäbein Frankreich eine schmcrzendnldende Partei, die dieFreiheit heuchelt, die schamlos ihre eigenen Reden durchihre Handlungen Lügen straft, die den Nalionalvcrdrußhinabschlingt, und sich gegen die Stöße seines Geistespanzert, die da kriechet, um das Leben zu erhalten,weil es gar schwer ist, zu zertrümmern, was sich unterden Füßen ebnet. Die wohlmeinende Prinzessin konntein diesem Gemälde eher das Werk der Satyre als derWahrheit sehen; aber zuletzt schienen ihr doch die ver-schiedenen Meinungen unzufrieden; sie hörte, wie diese