Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
70
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Fleisch." Dieser Ausspruch setzt uns billig in Er-staunen; denn wie man auch an dem Worte "Ana-thema" hat künsteln wollen, um ihm eine mildereBedeutung, als die buchstäbliche, untcrzuschicben,

es leidet keinen Zweifel, daß der Apostel nichtsGeringeres sagen will, als daß er, von Liebeund Mitleid überwältigt, aufrichtig und in vol-lem Ernste begehrt habe, für seine Brüder vonChristo verlassen zu werden, und den Fluch unddie Verdammniß, welche sie durch ihre Sünden sichzugezogcn, auf sich zu nehmen, gesetzt, daß erIsrael dadurch erlösen, und ihre Sünden vor demAngesichte Gottes bedecken und vertilgen könnte.

Die Gemüthslage unseres Apostels war in jenemMomente ganz dieselbe, in welcher auch Moses einstvon einem heiligen Eifer für die Ehre Gottes über- imannt, und von der Gluth einer übermenschlichen ;Liebe fortgcrissen, seiner selbst vergessend, in die cr-staunenswürdigcn Worte ausbrach: "Vcrgicb ihnenihre Sünde; wo nicht, so tilge auch mich aus dei-nem Buche!" Wenn nun so kühle, nüchterne undberechnende Vcrstandeslcute, wie wir sind, in solcheecstaflische Aeußerungcn sich nicht zu finden wissen,so ist das freilich kein Wunder, aber auch wahrlichnoch kein Beweis, daß es jenen heiligen Männernmit ihrem wunderbaren und unerhörten Begehrennicht tief und ernstlich bedacht gewesen scp. Einunmündiges Kind ist nicht im Stande, in das Ge-müth eines beherzten und schlagfertigen Kricgsheldeu