PORTI A.
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danken, und ein unendliches Mitleid rieselt mir durch’sHerz. Währenddes ganzen Mittelalters bis zum heutigenTag stand die herrschende Weltanschauung nicht indirektem Widerspruch mit jener Idee, die Moses denJuden aufgebürdet, ihnen mit heiligen Riemen ange-schnallt, ihnen ins Fleisch eingeschnitten hatte; ja,von Christen und Mahometanern unterschieden siesich nicht wesentlich, unterschieden sie sich nichtdurch eine entgegengesetzte Synthese, sondern nurdurch Auslegung und Shiboleth. Aber siegt einst Sa-tan, der sündhafte Pantheismus, vor welchem unssowohl alle Heiligen des alten und des neuen Testa-ments als auch des Corans bewahren mögen, so ziehtsich über die Häupter der armen Juden ein Verfolgun-gsgewitter, das ihre früheren Erduldungen noch weitüberbieten wird...
Trotz dem dass ich in der Synagoge von Venedignach allen Seiten umherspähete, konnte ich das Antlitzdes Shylok’s nirgens erblicken. Und doch war es mir,als halte er sich dort verborgen, unter irgend einemjener weissen Talare, inbrünstiger betend als seineübrigen Glaubensgenossen, mit stürmischer Wildheit,ja mit Raserei hinaufbetend zum Throne Jehovas, desharten Gottkönigs! Ich sah ihn nicht. Aber gegen Abend,wo, nach dem Glauben der Juden, die Pforten des Him-mels geschlossen werden und kein Gebet mehr Einlasserhält, hörte ich eine Stimme, worin Thränen rieselten,wie sie nie mit den Augen geweint werden... Es warein Schluchzen, das einen Stein in Mitleid zu rührenvermochte... Es waren Schmerzlaute, wie sie nur aus
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