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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
160
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Indem ich, nach dem alten Shylok umherspähcnd, alldie blassen, leidenden Judengesichter aufmerksan mu-sterte, machte ich eine Entdeckung, die ich leider nichtverschweigen kann. Ich hatte nemlich denselben Tagdas Irrenhaus San Carlo besucht, und jetzt, in derSynagoge, fiel es mir auf, dass in dem Blick derJuden derselbe fatale, halb stiere halb unstäte, halbpfiffige halb blöde Glanz flimmerte, welchen ich kurzvorher in den Augen der Wahnsinnigen zu San Carlobemerkt hatte. Dieser unbeschreibliche, räthselhafteBlick zeugte nicht eigentlich von Geistesabwesenheit,als vielmehr von der Oberherrschaft einer fixen Idee.Ist etwa der Glaube an jenen ausserweltlichen Donner-gott, den Moses aussprach, zur fixen Idee eines ganzenVolks geworden, das, trotz dem, dass man es seitzwei Jahrtausenden in die Zwangsjacke steckte und ihmdie Dusche gab, dennoch nicht davon ablassen willgleich jenem verrückten Advokaten, den ich in SanCarlo sah, und der sich ebenfalls nicht ausreden liess,dass die Sonne ein englischer Käse sei, dass die Strahlenderselben aus lauter rothen Würmern bestünden, unddass ihm ein solcher herabgeschossener Wurmstrahldas Hirn zerfresse?

Ich will hiermit keineswegs den Werth jener fixenIdee bestreiten, sondern ich will nur sagen, dass dieTräger derselben zu schwach sind, um sie zu beherr-schen, und davon niedergedrückt nnd inkurabel wer-den. Welches Martyrthum haben sie schon um dieserIdee Willen erduldet! welches grössere Martyrthumsteht ihnen noch bevor! Ich schaudre bei diesem Ge-