PORTIA.
{KAUFMANN VON VENEDIG.)
« Wahrscheinlich wurden alle Kunstrichter von Shy-lok’s erstaunlichem Charakter so geblendet und befan-gen , dass sie ihrerseits Portia ihr Recht nicht wider-fahren Hessen, da doch ausgemacht Shylok’s Charakterin seiner Art nicht kunstreicher, noch vollendeter istals Portia’s in der ihrigen. Die zwei glänzenden Figurensind beide ehrenwerth : werth zusammen in dem rei-chen Bann bezaubernder Dichtung und prachtvolleranmuthiger Formen zu stehen. Neben dem schreckli-chen, unerbittlichen Juden, gegen seine gewaltigenSchatten durch ihre Glanzlichter abstechend, hängt siewie ein prächtiger Schönheit-athmender Tizian nebeneinem herrlichen Rembrandt.
« Portia hat ihr gehöriges Theil von den angenehmenEigenschaften, die Shakspear über viele seiner weibli-chen Charaktere ausgegossen; neben der Würde aber,der Süssigkeit und Zärtlichkeit, welche ihr Geschlecht