144
JESSIKA.
und die Zunge vermag, auf Shylok, was gleichfallsohne alle Gefahr geschehen kann, und meynen dannvermuthlich alle, ihre Freundschaftspflicht erfüllt zuhaben. So sehr wir Shylok hassen müssen, so würdenwir doch selbst ihm nicht verdenken können, wenn erdiese Leute ein wenig verachtete, was er denn auchwohl thun mag. Ja er scheint zuletzt auc den Graziano,den Abwesenheit entschuldiget, mit jenen zu verwechselnund in Eine Classe zu werfen, wenn er die frühereThatlosigkeit und jetzige Wortfülle mit der schneiden-den Antwort abfertigt :
Bis du von meinem Schein das Siegel wegschiltst,
Thust du mit Schrei’n nur deiner Lunge weh.
Stell deinen Witz her, guter junger Mensch,
Sonst fällt er rettungslos in Trümmern dir.
Ich stehe hier um Recht.
Oder sollte etwa gar Lanzelot Gobbo als Repräsen-tant des Christenthums gelten? Sonderbar genug, hatsich Shakspear über letzteres nirgends so bestimmtgeäussert wie in einem Gespräche, das dieser Schalkmit seiner Gebieterin führt. Auf Jessikas Aeussserung :
«Ich werde durch meinen Mann selig werden, er hatmich zu einer Christin gemacht»
antwortet Lanzelot Gobbo :
Wahrhaftig, da ist er sehr zu tadeln. Es gab unser