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CORDELIA.
hältniss? Hat unser Dichter dergleichen erkannt unddarstellen wollen?
Mit der ersten Scene dieser Tragödie werden wir, wiegesagt, schon in die Mitte der Ereignisse geführt, undwie klar auch der Himmel ist, ein scharfes Auge kann daskünftige Gewitter schon voraussehen. Da ist ein Wölk-chen im Verstände Lears, welches sich später zurschwärzesten Geistesnacht verdichten wird. Wer indieser Weise alles verschenkt, der ist schon verrückt.Wie das Gemüth des Helden, so lernen wir auch denCharakter der Töchter schon in der Exposizionsscenekennen, und namentlich rührt uns schon gleich dieschweigsame Zärtlichkeit Cordelias, der modernen An-tigone, die an Innigkeit die antike Schwester noch über-trifft. Ja, sie ist ein reiner Geist, wie es der König erstim Wahnsinn einsieht. Ganz rein? Ich glaube, sie istein bischen eigensinnig, und dieses Fleckchen ist einVatermal. Aber wahre Liebe ist sehr verschämt undhasst allen Wortkram; sie kann nur weinen und verblu-ten. Die wehmüthige Bitterkeit, womit Cordelia auf dieHeuchelei der Schwestern anspielt, ist von der zartesteArt, und trägt ganz den Charakter jener Ironie, derc .sich der Meister aller Liebe, der Held des Evangeliums,zuweilen bediente. Ihre Seele entladet sich des gerech-testen Unwillens und offenbart zugleich ihren ganzenAdel in den Worten :
liirwahr, nie heurath’ ich , wie meine Schwestern, umbloss meinen Vater zu lieben.