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CORDELIA.
diese ersten Eingangs-Scenen werden wir schon gleichaus unseren Werkeltagsgefühlen und Zunftgedankenherausgerißsen, und in die Mitte jener Ungeheuern Bege-benheiten versetzt, womit der Dichter unsere Seelenerschüttern und reinigen will. So eröffnet sich die Tra-gödie des Macbeth mit der Begegnung der Hexen, undder weissagende Spruch derselben unterjocht nicht blossdas Herz des schottischen Feldherrn, den wir sieges-trunken auflreten sehen, sondern auch unser eignesZuschauerherz, das jetzt nicht mehr loskann, bis alleserfüllt und beendigt ist. Wie in Macbeth das wüsste, sinne-betäubende Grauen der blutigen Zauberwelt schon imBeginn uns erfasst, so überfröstelt uns der Schauer desbleichen Geisterreichs bereits in den ersten Scenen desHamlet, und wir können uns hier nicht loswinden vonden gespenstischen Nachtgefühlen, von dem Alpdrückender unheimlichsten Aengste, bis alles vollbracht, bisDänemarks Luft, die von Menschenfäulniss geschwän-gertwar, wieder ganz gereinigt ist.
ln den ersten Scenen des Lear werden wir auf glei-cher Weise unmifUeibar hineingezogen in die fremdenSchicksale, die sich vor unseren Augen ankündigen,entfalten und abscliliessen. Der Dichter gewährt unshier ein Schauspiel, das noch entsetzlicher ist als alleSchrecknisse der Zauberwelt und des Geisterreichs : erzeigt uns nämlich die menschliche Leidenschaft, die alleVernunftdämme durchbricht, und in der furchtbarenMajestät eines königlichen Wahnsinns hinaustobt, wett-eifernd mit der empörten Natur in ihrem wildestenAulruhr. Aber ich glaube, hier endet die ausserordent-