ANNA BOLEYN.
(HEINRICH V1J1.)
Die gewöhnliche Meinung geht dahin, dass KönigHeinrichs Gewissensbisse ob seiner Ehe mit Catharinendurch die Reize der schönen Anna entstanden seyen.Sogar Shakspear verräth diese Meinung, und wenn indem Krönungszug die neue Königin auftritt, legt ereinem jungen Edelmann folgende Worte in den Mund :
.Gott sei mit dir!
Solch süss Gesicht, als dein’s, erblickt’ ich nie!Bei meinem Leben, Herr, sie ist ein Engel,
Der König hält ganz Indien in den Armen,
Und viel, viel mehr, wenn er dies Weib umfangt:Ich tadle sein Gewissen nicht.
Von der Schönheit der Anna Boleyn giebt uns derDichter auch in der folgenden Scene einen Begriff, wo