LAVINIA.
67
vor ihren Augen hinrichten; sobald sie nun, in der wer-benden Gunst des jungen Kaisers, die Hoffnungsstrah-len einer künftigen Rache erblickt, entringein sich ihrenLippen die jauchzend finstern Worte :
Ich will es ihnen zeigen , was es heisst',
Wenn eine Königin auf den Strassen knieet,
Und Gnad umsonst erfleht.
Wie ihre Grausamkeit entschuldigt wird durch daserduldete Uebennaas von Qualen, so erscheint diemetzenhafte Lüderlichkeit, womit sie sich sogar einemscheusslichen Mohren hingiebt, gewissermassen veredeltdurch die romantische Poesie die sich darin ausspricht.Ja, zu den schauerlich süssesten Zaubergemälden derromantischen Poesie, gehört jene Scene, wo währendder Jagd die Kaiserin Tamora ihr Gefolge verlassen hat,und ganz allein im Walde mit dem geliebten Mohrenzusammen trifft.
Warum so traurig, holder Aaron?
Da doch umher so heiter alles scheint.
Die Vögel singen überall im Busch,
Die Schlange liegt im Sonnenstrahl gerollt,
Das grüne Laub hebt von dem kühlen Hauch ,
Und bildet bunte Schatten auf dem Boden.
Im süssen Schatten, Aaron , lass uns sitzen ,
Indess die Echo schwatzhaft Hunde äfft,
Und wiederhallt der Hörner hellen Klang,
Als sei die Jagd verdoppelt; — lass uns sitzen .
Und horchen auf das gellende Getöse.