LAYIMA,
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Als Mord iur mich, und wälze meine LeicheIn eine garst’ge Grube, wo kein AugeDes Mannes jemals meinen Körper sieht.
0, dies erfüll’, und sei erbarmensvollAls Mörderin !
ln dieser jungfräulichen Reinheit bildet Lavinia denvollendeten Gegensatz zu der erwähnten Kaiserin Ta-mora; hier, wie in den meisten seiner Dramen, stelltShakspear zwei ganz gemüthsverschiedene weiblicheGestalten neben einander, und veranschaulicht unsihren Charakter durch den Contrast. Dieses sahen wirschon im Antonius und Cleopatra, wo neben der weis-sen, kalten, sittlichen, erzprosaischen und häuslichenOctavia unsere gelbe, ungezügelte, eitle und inbrünstigeAegypterin desto plastischer hervortritt.
Aber auch jene Tamora ist eine schöne Figur, undes dünkt mir eine Ungerechtigkeit, dass der engli-sche Grabstichel in gegenwärtiger Gallerie Schakspear-scher Frauen ihr Bildniss nicht eingezeichnet hat. Sieist ein schönes majestätisches Weib, eine bezauberndimperatorische Gestalt, auf der Stirne das Zeichen dergefallenen Göttlichkeit, in den Augen eine weltverzeh-rende Wollust, prachtvoll lasterhaft, lechzend nachrothem Blut. Weitblickend milde, wie unser Dichtersich immer zeigt, hat er schon in der ersten Scene, woTamora erscheint, alle die Greul, die sie später gegenTitus Andronikus ausübt, im Voraus justifizirt. Denndieser starre Römer, ungerührt von ihren schmerzlich-sten Mutterbitten, lässt ihren geliebten Sohn gleichsam