LAVINIA.
(TITUS AN D RON 1K U S.)
In «Julius Cäsar» sehen wir die letzten Zuckungen desrepublikanischen Geistes, der dem Aufkommen der Mo-narchie vergebens entgegenkämpft; die Republik hatsich überlebt, und Brutus und Cassius können nur denMann ermorden, der zuerst nach der königlichen Kronegreift, keineswegs aber vermögen sie das Königthum zutöd ten, das in den Bedürfnissen der Zeit schon tief wurzelt.In Antonius und Cleopatra sehen wir, wie, statt des einengefallenen Cäsars, drei andre Cäsaren nach der Welt-herrschaft die kühnen Hände strecken; die Principien-frage ist gelöst und der Kampf, der zwischen diesenTriumviren ausbricht, ist nur eine Personenfrage : wersoll Imperator seyn, Herr über alle Menschen und Lande?Die Tragödie, betittelt « Titus Andronikus », zeigt uns,da ssauch diese unbeschränkte Alleinherrschaft im römi-schen Reiche dem Gesetze aller irdischen Erscheinungenfolgen, nämlich in Verwesung übergehen musste, undnichts gewährt einen so widerwärtigen Anblick, wie