CLEOPATRA. 61
darb, in häusliche Unannehmlichkeiten verwickelte, undendlich ins Unglück stürzte.
Ja, mein alter Lehrer hatte Recht, es ist äusserst ge-fährlich, sich mit einer Person, wie die Cleopatra, inein näheres Yerhältniss einzulassen. Ein Held kann da-durch zu Grunde gehen, aber auch nur ein Held. Derlieben Mittelmässigkeit droht hier, wie überall, keineGefahr.
Wie der Charakter der Cleopatra, so ist auch ihreStellung eine äusserst witzige. Dieses launische, lust-süchtige, wetterwendische, fieberhaft kokette Weib,diese antike Pariserin, diese Göttin des Lebens, gau-kelt und herrscht über Aegypten, dem schweigsam star-ren Todtenland... Ihr kennt es wohl, jenes Aegypten,jenes geheimnissvolle Mizraim, jenes enge Nilthal, daswie ein Sarg aussieht... Im hohen Schilfe greint dasKrokodill oder das ausgesetzte Kind der Offenbarung...Felsentempel mit kolossalen Pfeilern, woran heiligeThierfratzen lehnen, hässlich bunt bemalt... An derPforte nickt der Hierogliphen-mützige Isismönch... Inüppigen Yillas halten die Mumien ihre Siesta, und dievergoldete Larve schützt sie vor den Fliegenschwärmender Yerwesung... Wie stumme Gedanken stehen dortdie schlanken Obelisken und die plumpen Pyramiden...Im Hintergrund grüssen die Mondberge Aethiopiens,welche die Quellen des Nils verhüllen... Ueberall Tod,Stein und Geheimniss... Und über dieses Land herrschteals Königin die schöne Cleopatra.
Wie witzig ist Gott!