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CLEGPATKA.
zu kosten, wie Gift sclimeckt. Nächst Shakspear, invorliegender Tragödie, hat dieses Phänomen niemandso gut geschildert wie unser alter Abbe Prevost in sei-nem Romane «Manon de Lescot». Die Intuizion desgrössten Dichters stimmt hier überein mit der nüch-ternen Beobachtung des kühlsten Prosaikers,
Ja, diese Cleopatra ist ein Weib, in der holdseligstenund vermaledeitesten Bedeutung des Wortes! Sie erinnertmich an jenen Ausspruch Lessing’s : als Gott das Weibschuf, nahm er den Ton zu fein. Die Ueberzartheitseines Stoffes verträgt sich nun selten mit den Ansprü-chen des Lebens. Dieses Geschöpf ist zu gut und zuschlecht für diese Welt. Die lieblichsten Vorzüge wer-den hier die Ursache der verdriesslichsten Gebrechen.Mit entzückender Wahrheit schildert Shakspear schongleich beim Auftreten der Cleopatra den bunten flatter-haften Launengeist, der im Kopfe der schönen Königinbeständig rumort, nicht selten in den bedenklichstenFragen und Gelüsten übersprudelt, und vielleicht ebenals der letzte Grund von all’ ihrem Thun und Lassen zubetrachten ist. Nichts ist charakteristischer als diefünfte Scene des ersten Akts, wo sie von ihrer Kammer-jungfer verlangt, dass sie ihr Mandragora zu trinkengebe, damit dieser Schlaftrunk ihr die Zeit ausfülle,während Antonius entfernt. Dann plagt sie der Teufelihren Kastraten Mardian zu rufen. Er frägt unterthänig,was seine Gebieterin begehre. Singen will ich dichnicht hören, antwortet sie, denn nichts gefällt mir jetztwas Eunuchen eigen ist — aber sage mir : fühlst dudenn Leidenschaft?