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Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
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Wie ein Held durch solche früh eingezogenen Tugen-den und Untugenden die Lorherkrone des Ruhmes er-wirbt, dagegen aber die bessere Krone, den bürgerlichenEichenkranz, einbüsst, und endlich bis zum entsetz-lichsten Verbrechen, bis zum Verrath an dem Vaterland,herabsinkend, ganz schmählig untergeht: das zeigt unsShakspear in dem tragischen Drama, welches «Gorio-lan» betitelt ist.

Nach Troilus und Cressida, worin unser Dichter sei-nen Stoff der altgriechischen Heroenzeit entnommen,wende ich mich zu dem Coriolan, weil wir hier sehen,wie er römische Zustände zu behandeln verstand. Indiesem Drama schildert er nämlich den Partheikampfder Patrizier und Plebejer im alten Rom.

Ich will nicht geradezu behaupten, dass diese Schil-derung in allen Einzelheiten mit den Annalen der römi-schen Geschichte übereinstimme; aber das Wesen jenerKämpfe hat unser Dichter aufs tiefste begriffen und dar-gestellt. Wir können solches um so richtiger beurthei-len, da unsere Gegenwart manche Erscheinungen auf-weist , die dem betrübsamen Zwiespalte gleichen,welcher einst im alten Rom zwischen den bevorrech-teten Patriziern und den herabgewürdigten Plebejernherrschte. Man sollte manchmal glauben, Shakspear seyein heutiger Dichter, der im heutigen London lebe undunter römischen Masken die jetzigen Tories und Radi-kalen schildern wolle. Was uns in solcher Meinungnoch bestärken könnte, ist die grosse Aehnlichkeit,die sich überhaupt zwischen den alten Römern undheutigen Engländern , und den Staatsmännern beider