Besser als die Engländer haben die Deutschen denShakspear begriffen. Und hier muss wieder zuerst jenertheure Name genannt werden, den wir überall antref-fen, wo es bei uns eine grosse Initiative galt. GottholdEphraim Lessing war der erste, welcher in Deutschlandseine Stimme für Shakspear erhob. Ertrug den schwer-sten Baustein herbei zu einem Tempel für den grösstenaller Dichter, und, was noch preisenswerther, er gabsich die Mühe, den Boden, worauf dieser Tempel erbautwerden sollte, von dem alten Schutte zu reinigen. Dieleichten französischen Schaubuden, die sich breit mach-ten auf jenem Boden, riss er unbarmherzig nieder inseinem freudigen Baueifer. Gottsched schüttelte so ver-zweiflungsvoll die Locken seiner Perrücke, dass ganzLeipzig erbebte, und die Wangen seiner Gattinn vorAngst, oder auch von Puderstaub, erbleichten. Mankönnte behaupten, die ganze Lessing’sehe Dramaturgiesey im Interesse Shakspear’s geschrieben.
Nach Lessing ist Wieland zu nennen. Durch seineUebersetzung des grossen Poeten vermittelte er nochwirksamer die Anerkennung desselben in Deutschland.Sonderbar, der Dichter des Agathon und der Musarion,der tändlende Cavaliere-Servente der Grazien, der An-hänger und Nachahmer der Franzosen : er war es, denauf einmal der brittische Ernst so gewaltig erfasste,dass er selber den Helden aufs Schild hob, der seinereigenen Herrschaft ein Ende machen sollte.
Die dritte grosse Stimme, die für Shakspear inDeutschland erklang, gehörte unserem lieben theuernHerder, der sich mit unbedingter Begeisterung für ihn
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