Druckschrift 
Shakspeares Maedchen und Frauen
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

constiiutioiieller Regierungsform , wenn auch zum Be-sten der europäischen Freiheit, doch keineswegs zumHeile der Kunst geltend macht. Mit dem Blute Karls desErsten, des grossen, wahren, letzten Königs, floss auchalle Poesie aus den Adern Englands; und dreimalglücklich war der Dichter, der dieses kummervolleEreigniss, das er vielleicht im Geiste ahnete, nimmer-mehr als Zeitgenosse erlebt hat. Shakspear ward inunsren Tagen sehr oft ein Aristokrat genannt. Ichmöchte dieser Anklage keineswegs widersprechen, undseine politischen Neigungen vielmehr entschuldigen,wenn ich bedenke, dass sein Zukunft-schauendes Dich-terauge, aus bedeutenden Wahrzeichen, schon jene ni-vellirende Puritanerzeit voraussah, die mit dem König-thum, so auch aller Lebenslust, aller Poesie und allerheitern Kunst ein Ende machen würde.

Ja, während der Herrschaft der Puritaner ward dieKunst in England geächtet; namentlich wüthete derevangelische Eifer gegen das Theater, und sogar derName Shakspear erlosch für lange Jahre im Andenkendes Volks. Es erregt Erstaunen, wenn man jetzt in denFlugschriften damaliger Zeit, z. B. in dem Histrio-Mastix des famosen Prynn, die Ausbrüche des Zornesliest, womit über die arme Schauspielkunst das Ana-thema ausgekrächtzt wurde. Sollen wir den Puritanernob solchem Zelotismus allzu ernsthaft zürnen? Wahrlichnein; in der Geschichte hat jeder Recht, der seineminwohnenden Principe getreu bleibt, und die düsternStutzköpfe folgten nur den Consequenzen jenes kunst-feindlichen Geistes, der sich schon während der er-