O N 2
15.
Der wunde Ritter*)
Ich weiß eine alte Kunde,Die hallet dumpf und trüb,-Ein Ritter liegt liebeswunde,
Doch treulos ist sein Lieb.
Als treulos muß er verachtenDie eigne Herzliebste sein.Als schimpflich muß er betrachtenDie eigne Liebespeln.
Er möcht in die Schranken reitenUnd rufen die Ritter zum Streit:„Der mag sich zum Kampf bereiten,Wer mein Lieb eines Makels zeiht!"
5) In der ältesten Fassung schließen sichnoch folgende zwei Strophen an:
Er möcht mit eigenem BluteAbwaschen den Fleck seines Liebs/
Mit dein eignen HimmelsguteMöcht er sühnen die Schuld seines Liebs.
Am liebsten möcht er liegenMit Liebchen im Totcnschrein.
Ans kalte Lieb sich schmiegen/ —
Der ?od macht alles rein.
III