vor unseren Augen, angesichts des ganzen Publikums, allmählich alt wird. Wir Habensgesehen, nicht bei Wolfgang Goethe, dem ewigen Jüngling, aber bei August Wilhelm vonSchlegel, dem bejahrten Gecken,- wir Habens gesehen, nicht bei Adalbert Chamisso, der mitjedem Jahre sich blütcnrcicher verjüngt, aber wir sahen es bei Herrn Ludwig Deck, dem ehe-maligen romantischen Strohmian, der jetzt ein alter räudiger Muntsche geworden. . . O, ihrGötter, ich bitte euch nicht, mir die Jugend zu lassen, aber laßt mir die Tugenden der Jugend,den uneigennützigen Groll, die uneigennützige Träne! Laßt mich nicht ein alter Polterer werden,der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Iammermensch, der über die gutealte Zeit beständig flennt . . . Laßt mich ein Greis werden, der die Jugend liebt und trotz derAltersschwäche noch immer teilnimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meineStimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte unerschrocken und frisch bleibt!
Sic lächelte gestern so sonderbar, halb mitleidig, halb boshaft, die schöne Freundin, als siemit ihren rosigen Fingern meine Locken glättete . . . Nicht wahr, du hast auf meinem Haupteeinige weiße Haare bemerkt?
„Und scheint die Sonne noch so schön,
Am Ende muß sie untergehn!"
Geschrieben zu Paris, im Frühjahre 18Z?.
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