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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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schriften führen: „Darf man einen Tyrannen tödten?" und:„Darf man einen Tyrannen mit Gift aus der Welt schaffen?" ')Mariana stellt die Gründe, welche die Freunde der Königs-gewalt und die Gegner des Tyrannenmordes gegen diesen, unddie, welche die Feinde der Königsmacht und die Vertheidiger desTyrannenmordes für denselben anführen, nebeneinander 0, undentscheidet sich dann für die Erlaubtheit des Tyrannenmordes.Schon aus jener Vergleichung geht hervor, daß er sich für denTyrannenmord entscheidet. Denn

„Gewiß kann der Staat, sagt er, dem die Könige ihre Ge-walt verdanken, unter dringenden Umständen den König vor sei-nen Richterstuhl laden (wie cs etwa die Franzosen mit Lud-wig XVI. machten) und ihn, falls er sich nicht bessern will, derRegierung entsetzen. Denn der Staat hat dem Fürsten die Ge-walt nicht so übertragen, daß er sich selbst nicht eine größeresollte Vorbehalten haben. Außerdem sehen wir, daß Tyrannen-mordc immer hoch gepriesen worden sind, wie Thrasybul, Har«modius und Aristogiton, Cassius, Chärea, Stephanus (der MörderDomitians)', Martialis (der Mörder des Caracalla) und diePrätorianer, die den Hcliogabal erschlugen. (Mariana sieht abernicht, daß diese Beispiele für seinen Zweck gar nicht paffen, dazuerst Harmodius und Aristogiton nicht den König Hippias,sondern den Prinzen Hipparch tödteten, und zwar aus Privat-rache; und daß Hippias erst nach diesem Morde ein Despotwurde, früher ein trefflicher König, wenn auch ein Tyrann,weil er in einem sonst freien Staate herrschte; daß ferner Thra-sybul keinen König, sondern eine den Atheniensern von denSpartanern aufgedrungene Oligarchie stürzte; daß ferner Caffius,Chärea, Stephan und Martialis jene Tyrannen tödteten in Pri-vatverschwörungen, die dem Staate ganz fremd waren, in dessenRechte sie also nach Mariana's Grundsätzen griffen. Die Prä-torianer aber hätte der Jesuit ja nicht anführen sollerr, da ja siedie Tyrannen des Staats waren, und mit den schlechten auchdie besten und für das Reich wohlthätigsten Kaiser ohne Scheuermordeten.

i) Oe rexe et rexis institutione. o. VI. VII. p. 5t — 68. 2 ) p. 54biL 58.

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