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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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Viertes Kapitel.

Der Jesuit Rössens oder Wilhelm Rainold.

Rainold war ein Franzose und lebte zur Zeit der gräuel-vollen Bürgerkriege des sechszehnten Jahrhunderts, welche dieKatholiken zur Vernichtung der Hugenotten führten. Daß dieJesuiten Partei nahmen und auf Kanzeln, im Beichtstühle undim Rathe die Gemüther zu Erbitterung und Wuth gegen dieHugenotten anreizten, kann ebenso sehr » priori geschlossen,als aus der Geschichte bewiesen werden. Und was sollte sie«bhaltcn? Denn wenn der Hof zu Madrid, wenn selbst dierömische Kirche die Bartholomäusnacht, diesen Schandfleck derfranzösischen Nation, mit öffentlichen Feierlichkeiten beging, wo-bei der berühmte Muret durch sollcnne Lobpreisung des Buben-stückes sein Genie und seine Menschenwürde schändete; wie soll-ten da die Väter der Gesellschaft Jesu Zurückbleiben, deren Haßgegen die Protestanten ein officieller war?

Auf Karl IX., den die blutigen Schatten von St. Bar-thelemy zu Grabe jagten, folgte sein Bruder, der SchwächlingHeinrich III. Da er keine Kinder hatte und der Letzte vomsiech gewordenen Stamme Valois war, so ging der Thron nachErbrecht auf Heinrich Bourbon, König von Navarra, über,der Heinrichs Schwester zur Gemahlin hatte. Heinrich vonNavarra aber war das erklärte Haupt der Hugonotten. Wiemochten die Katholiken ihn zum König annehmen? An derSpitze dieser stand als Parteichef der Herzog Heinrich vonGuise, ein großer Mann, wenn man cs ohne Tugend seinkann. Durch seine Macht, durch die Kraft und Gewandtheitseines Geistes beherrschte er den König, der seines Königthumcsnicht mehr Herr war, und entwarf den Plan, nach des KönigsAbsterbcn den Thron von Frankreich einzunehmcn. Aber Hein-rich Hl., der die Unwürdigkeit seiner Lage, die Schmach derFesseln, die man seiner Macht angelegt hatte, bitter empfand,söhnte sich mit Heinrich von Navarra aus und suchte Schutzbei ihm; dieser sollte sein Nachfolger werden. Da erhob sich