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Hieraus ist nun wohl klar, daß Escobar und seine Ge-nossen noch sehr gnädig waren, die Verpflichtung zum Gebeteauf fünf Jahre festzusetzcn. Denn wenn man verpflichtet ist,sich der Liebe zu Gott nur alle fünf Jahre wirklich bewußtzu werden, wie sollte größer sein können die Verpflichtung zumGebete, welches ja eine Erhebung des Herzens zum Höchstenist und die Liebe zu demselben im reinen, vollen Bewußtseinnothwcndig cinschlicßt?
„Durch das Kirchcngesetz, fährt Escobar unmittelbar fort,wird noch bestimmt die Zeit des Messehörens, wenn der Priesterfür das Volk betet."
Aber wie man Messe hören kann, ohne einen einzigen Ge-danken an Gott, d. h. ohne alles Gebet, dazu haben ja, wiewir oben gesehen, die frommen Väter die scharfsinnigste Anlei-tung gegeben.
„Ucbrigcns, schreibt Escobar weiter, ist man auch nochkraft anderer Gebote sonst zum Gebete verpflichtet, z. B., wennder Sünder sich zum Empfange der Sacramcnte vorbereitcn muß;zur Zeit einer schweren Versuchung, in augenscheinlicher Todes-gefahr und ähnlichen Fällen. Lessius fügt noch hinzu, wirfeien verpflichtet, so dem Gebete obzulicgcn, daß nicht ein gan-zer Monat ohne dasselbe verstreiche."
Das ist ein Thcil der casuistischen Lehre vom Gebete, undwer nach Escobar alle fünf Jahre, nach Lessius alle Mo-nate einmal betet, kann sich dabei ganz beruhigen, denn beidesind lloctores xrsvv8 et xü, ihre Meinung ist daher probabelund in praxi tuts. Von der Verpflichtung, das Herz zu Gottzu erheben, um uns zu veredeln und im Guten zu kräftigen,ferner, um dem Allgütigen für erwiesene Wohlthaten, an die wirdoch täglich gemahnt werden, für abgewendete Ucbcl u. s. w. zudanken, davon ist den gottseligen Vätern Nichts eingefallen, de-ren Moral überhaupt ein modernes Heidenthum mit christlichemZuschnitte ist.
2) Weiter unten fragt Escobar: Für wen paßt das Ge-bet? Antwort: Für das vernünftige Geschöpf, für Engel näm-lich und Menschen. Ziemt es sich auch für Christus?
NI) Lscob. V. Lx. 6. c. 2. n. 8. k>. 623.