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nicht gehabt, sicher nicht die Nächstenliebe. Darum haben sieso laxe Meinungen und Lehren über das achte Gebot aufgestellt.Und allerdings, ihnen selbst kamen diese Entstellungen am meistenzu Gute. Denn kein einzelner Mensch, keine Corporation hatsich je gröbere Vergehen gegen dieses Gebot zu Schulden kom-men lassen, als die ehrwürdigen Väter, die einen Jeden,der es wagte, mit ihnen in Widerspruch, Gegensatz und Feind-schaft zu treten, und den egoistischen Bestrebungen des Ordensim Wege stand, mit jedem Gifte der Verlä'umdung und derSchmähung überschütteten. So haben sie die Protestanten, so dieJansenisten, so die ehrwürdigen Männer von Portrojal, worinmehr Geist und Frömmigkeit wohnte, als in der ganzen Gesell-schaft Jesu, so haben sie Cardinäle, Bischöfe, so ganze Ordenund einzelne Mönche, so Geistliche und Weltliche behandelt, wel-che das Unglück hatten, ihren olympischen Zorn zu erregen, derkeine Sühne kannte, als Vernichtung des Gegners. Aber ebenweil die Jesuiten sich ihrer Sünden gegen das achte Gebot be-wußt waren, haben sie, wie es in ähnlichen Fällen in der Regelzu geschehen pflegt, dasselbe ganz kurz behandelt, und die Ent-stellungen desselben mir wenigen, aber kraftvollen und markigenPinselstrichen geliefert. Was brauchten sie auch lange schriftlicheAnleitungen zum Vcrläumden zu geben, da ihr Beispiel einebessere Anleitung war? was sollte ihnen Theorie, da sic diePraxis aus dem Grunde verstanden ? Dabei haben die sonst soscharfsinnigen Väter sich und ihre Schützlinge in Betreff des ach-ten Gebotes in keine geringe Gefahren gebracht. Denn indemsic einerseits Verläumdungen für erlaubt erklären, (um sich anihren Feinden zu rächen) haben sie andererseits, (wie wir obenbeim fünften Gebote gesehen haben), denen, so vcrläumdet wer-den, die Erlaubniß gegeben, ihre Ehrcnschänder zu ermorden,eine Erlaubniß, welche die frommen Väter wahrscheinlich nur sichreserviren, niemals aber gegen sich anwenden lassen wollten.
1) In den Thesen des Jesuiten-Collegiums zu Lo'ircn vomI. 1«45. wurde öffentlich gelehrt: Es ist Nichts weiter, alseineläßliche Sünde, Jemanden, der in großem Ansehen steht, wo-durch er mir schädlich werden kann, zu verläumdcn und fälsch-lich Verbrechen ihm anzudichten, im Falle er übel von mir spricht.
Diesen ganz unchristlichen Satz focht der deutsche Capuziner