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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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Daher ist eS denn auch den Jesuiten und ihren Freundenleicht geworden, sich gegen die ihnen gemachten Anschuldigungenzu vertheidigen, indem sie, je nachdem cs in ihren Plan paßte,bald die negative, bald die affirmative Seite des Probabilismusvorhielten, und wer sich nicht, um hinter die Wahrheit zukommen, die ungeheure Mühe gegeben hat, die Casuisten selbstzu lesen, wird leicht irrcgesührt. Nicht alle Casuisten habeneinerlei Jrrthümer; wer gegen den Mord ist, dem beweisen dieJesuiten aus dem Vasquez, daß er nicht tödten dürfe; undwer seinen Rachedurst durch den Mord des Feindes löschen will,dem geben sie den Lessius und Escobar, und da mag erauf das Ansehen dieser üoetorum xravium den Mord begehen.Lessius mag vom Morde wie ein Heide, und vom Almosen-geben wie ein Christ sprechen; dagegen wird Vasquez vom Mordewie ein Christ, vom Almosengebcn wie ein Heide sprechen. Aufdiese Weise wird das Gute und Böse ganz indifferent; ich kannden Gegner mit gutem Gewissen morden, weil der lloctor- xra-vis Lessius es erlaubt; ich kann ihn schonen, weil Vasquezdiese Meinung probabel macht. Auf diese Weise kann Jedemgeholfen werden, dem Frommen wie dem Bösewichte, der Tugendwie der Sünde; und nach der Theorie des Probabilismus, ver-möge dessen Wahrscheinlichkeit keiner Meinung für die eine oderandere Seite hin abgesprochen werden kann, und der alle Mei-nungen xeiuwis V0MMUIN8 macht, wird Einer dem Andern nöthigenFalls seine Meinung leihen, und jeder Beichtvater wird den-jenigen zu absolviren verpflichtet sein, der nach einer, auch nurdurch einen lloetor g-ravis probabel» Meinung gehandelt hat.Und gerade diese schlangenartige Doppelzüngigkeit der Casuistik,die mit einer Zunge das Laster, mit der andern die Tugendlehrt, und beides als gleichviel werth und thunswürdig darstellr,ist die Pest derselben.

Um nun unsere Darstellung über den Probabilismus voll-ständig zu machen, wollen wir noch die Ansichten einer Reiheberühmter Jesuiten folgen lassen.

1) Henriquez. Ein in seinem Gewissen beunruhigterMensch wählt den Weg der Sicherheit, wenn er gegen seineGewissenszweifel dasjenige anwendet, was er als recht erkennet,ungeachtet er sich nicht verhehlen kann, daß die andere Meinung