V
wie cs Pascal aus den Werken der berühmtesten jesui-tischen Moralisten darlegt, so konnte das dem Papste nichtVerborgen bleiben; und wenn es ihm nicht verborgen blieb, sokonnte und durfte er einen so schuldigen Orden nicht wiederals eine Säule der Kirche und des Christenthums Herstellen.Diese Betrachtung machte mich irrig und ich schwankte, wemich mehr Glauben beimcssen sollte, Pius VII., dem Oberhauptsder katholischen Kirche, oder Pascal, dem Privatmanne undFreunde des Iansenismus. Es ist wohl kein Wunder, daß ichmich vorläufig mehr auf die erste Seite neigte, indem ich eSabsolut für unmöglich hielt, daß Pius VH. hie Jesuitenwiederhergcstellt habe, ohne zuvor darüber die unbedingtesteGewißheit zu haben, daß alle die furchtbaren Beschuldigungen,die seit 167V gegen den Orden, namentlich in Betreff seinerSittenlehre, erhoben worden, Nichts als elende Verläumdung bos-hafter Gegner seien. '
Ich will es gestehen, daß ich mich mit Scheu an die Arbeitmachte, diese meine Ungewißheit zu beseitigen. Pascal's Namenund Andenken war mir theuer, noch thcurer aber der Namen unddas Andenken Pius VII. und seiner Cardinalcongregation. Wardas falsch, was Pascal aus den Schriften so vieler Jesuiten zurBeleuchtung der Moral des Ordens vorgebracht hatte, so mußteich ihn lief verachten als einen niedrigen Vcrläumdcr und Schrift-Verfälscher; der Verfasser der erhabenen xonsöes stand vor mirals elender Heuchler. War es aber wahr, was Pascal gegendie Sittcnlehre des Ordens an's Licht gestellt hatte, so mußteich Pius und seine Cardinäle ebenso hart beschuldigen, daß sieeinen Orden wiederhergestellt hatten, dessen furchtbare Entartungin Hunderten seiner berühmtesten Schriften zu Tage lag. Ichmußte dann urtheilen, daß Pius den Orden mit der sträflichstenLeichtfertigkeit, ohne alle Prüfung und Untersuchung über dieRcchtmäßigkeit der über ihn verhängten Auflösung, über die Wahr-heit der von tausend Seiten gegen ihn erhobenen öffentlichenKlagen wiederhergestellt und so dem Urthcile seines Vorgängers